Über mich

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen:

Ich beabsichtige nicht, Euch hier meinen Lebenslauf zu schreiben, sondern einfach nur so ein paar Eckpunkte, wie ich zur Fadengrafik gekommen bin und was diese für mich ist.

 

Ich bin Mitte 50 und homosexuell. Lebe seit 21 Jahren mit meinem Partner/Mann zusammen - und dies nach wie vor ohne Trauschein.

 

Bereits seit meinem 18.Lebensjahr bin ich in der Gastronomie als Kellner / Barkeeper und auch zwischendurch immer mal wieder als leitender Angestellter tätig.

 

Ich liebe die Kulturszene - angefangen von den großen Musical-Produktionen, über Oper, Operette, Ballett bis hin zur Kleinkunst.

Die letzten 12 Jahre konnte ich sogar meine kulturellen Interessen und meinen Beruf sehr gut miteinander verbinden, da ich in der Gastronomie des RevueTheater Am Palmengarten und des Krystallpalast-Varieté Leipzig tätig war. Während dieser Tätigkeit habe ich sehr nette Kontakte schließen und wunderbare Künstler kennenlernen dürfen.

 

Aber eines war generell: Mein Leben verlief irgendwie immer auf der Überholspur - von allem, was ich gemacht habe, immer etwas zuviel. Ich habe auf Arbeit vollen Power gegeben bis zur Erschöpfung, aber auch Partys, Sex, das eine oder andere Gläschen Alkohol, Zigaretten und...und...und...

Aber wie bereits gesagt: Von dem allen immer etwas zuviel.

 

Bis zu jenem denkwürdigen 25.Juni 2015 und der Folgetage, die auf einmal mein Leben total auf den Kopf gestellt haben. Plötzlich war ich nicht mehr ich selbst - es war zwar noch mein Körper - aber ein anderer, bisher irgendwo ganz tief im Unterbewußtsein versteckter Teil, eine abgrundtiefe Seele, hatte plötzlich die Kontrolle über mich.

Und diese abgrundtiefe Seele hat mir einen wahren Horrortrip beschert und ließ mich Dinge tun, die mein ganzes weiteres Leben verändern würden, in die aber nur der engste Freundeskreis und behandelnde Ärzte eingeweiht sind.

 

Jedenfalls habe ich für 8 Wochen mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung und schweren Verletzungen aus einem Unfall in der psychiatrischen Klinik verbracht und man hat dort versucht, mich ins normale Leben zurück zu holen und mich auch auf die Verarbeitung der Folgen aus dieser Zeit vorzubereiten.

 

Als sich eine Besserung meines Zustandes anzeigte und mein Therapieplan geändert wurde, durfte ich in die Ergotherapie gehen. Da stand ich nun, wurde durch drei verschiedene Räume geführt und sollte mich entscheiden, was ich in der Thearapie machen möchte.

Meine allererste

Fadengrafik

entstanden in der Ergotherapie im Juli 2015

Im Holzraum Körbe flechten oder schnitzen - das war nichts für mich. Handwerklich bin ich nicht begabt.

 

Im Tonraum eine Figur modellieren oder einen Aschenbecher oder ein Gefäß herstellen? Das war auch nicht so mein Ding.

 

Und Textil? Irgend etwas Stricken oder Häkeln - das kann ich auch nicht.

Aber ich habe ja als Kind mal gestickt und später auch mal was geknüpft.

Also Textil!

 

Im Schaukasten davor waren ein paar Muster zu sehen, unter anderem ein Bild mit gespannten bunten Fäden - das sah gut aus.

Die Ergotherapeutin Frau Kaast sagte mir, das sei eine Fadengrafik, ob ich denn so etwas mal probieren möchte.

Herausgekommen ist das Bild links, was ich nach einer Vorlage gefertigt habe und für das ich 4 Ergotherapiestunden gebraucht habe.

 

Zeit war ja noch, ich hatte ja noch ein paar Wochen vor mir, also los mit der zweiten Fadengrafik.

Wieder nach einer Vorlage oder doch lieber etwas Eigenes entwerfen?

Mein Ehrgeiz kam zurück - also etwas Eigenes - mit Zirkel, Lineal und Bleistift entworfen - ein Windrad mit einem Hexagon als Grundfigur - und es sollte etwas Buntes werden und die Flügel des Windrades parallel zur gegenüberliegenden Farbe verlaufen.

Es hat geklappt - nach einer Woche war das Bild fertig.

 

Diese zwei Arbeiten habe ich Freundinnen von uns geschenkt, die meinem Mann, während ich in der Klinik lag, immer zur Seite standen und ihn mit allen Mitteln unterstützt haben.

Aber eines ist gewiß - Beide bekommen bei Gelegenheit von mir ein neues und richtig tolles Bild, so wie ich sie jetzt fertige.

 

Und dann kam sie - meine Abschlussarbeit von der Klinik:

Anfang August....Ich darf in 14 Tagen nach Hause. Ich mache noch ein Bild - es muss richtig toll werden, aber gleichzeitig so schwierig, das es erst kurz vor meiner Entlassung fertig wird. Aber es muss in der Klinik fertig werden.

 

Meinezweite

Fadengrafik

entstanden in der Ergotherapie im Juli 2015

Mein Abschlussbild in der Ergotherapie - entstanden im August 2015

Dieses Bild hat seine eigene Geschichte und seine eigene ganz tiefe Bedeutung für mich. Ein paar Details dazu gibt es dann direkt unter Fadengrafik-Bilder.

 

So bin ich also zur Fadengrafik gekommen und habe dann, schon kurze Zeit nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, auch zu Hause mit "sticheln" angefangen. Und es reizt mich immer wieder, mit bunten Fäden tolle Bilder auf dem Papier entstehen zu lassen.

 

Die Motive werden filigraner, man wird immer besser, man holt sich bei anderen Fadengrafikern Anregungen, kommt mit Ihnen via Facebook oder per email in Kontakt und so entstehen, obwohl man sich nicht persönlich kennt, über die Fadengrafik tolle Kontakte zu wunderbaren Menschen.

Man gibt sich Tips, was man besser machen kann, man tauscht Stichmuster aus, es werden Sticker getauscht und selbst Motivstanzer, die nur in Deutschland im Angebot war, werden europaweit verschickt.

Ja, sie ist schon etwas Besonderes unsere kleine Fadengrafik (Grußkarten) Gruppe bei Facebook. Ich nenne keine Namen, aber Ihr schaut Euch diese Homepage sowieso an, wenn sie fertig ist und Ihr wißt dann, daß Ihr gemeint seid :-)

Ja, und so "stichele" ich immer noch und werde es auch weiterhin tun, auch wenn ich mal wieder arbeiten gehe, die eine oder andere Fadengrafik wird dann auch weiterhin in meiner Freizeit entstehen.

 

Denn ich finde es toll, wie sie entstehen, wie aus ein paar Löchern in Papier und bunten Fäden ein wunderbares Bild entsteht- und egal, wie oft man das Motiv macht, eigentlich wird es jedesmal ein neues Bild.

Und man kann das nicht einfach so nebenbei machen, man muss sich auf das Fädenziehen konzentrieren und kann eigentlich während dieser Zeit an nichts anderes denken, denn dann versticht man sich und das Muster geht nicht auf oder das Bild wird nicht so, wie man es vor Augen hat.

 

Und deshalb ist die Fadengrafik für mich mehr als nur ein Hobby:

Sie ist Hobby und Therapie zugleich!

 

Und wenn Du wissen möchtest, warum ich diese Homepage gemacht habe, dann lies einfach hier weiter.

Wie ich zur Fadengrafik gekommen bin....